Insassenschutz-Elektronik ermittelt den richtigen
Airbag-Einsatz
Robert Bosch GmbH
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Intelligenter Bolzen: Sitzbelegungs-Sensierung "iBolt" von Bosch für angepasste Airbag-Auslösung
Juni 2004
Mit einem neuen Sensorsystem von Bosch lässt sich die Auslösung des Beifahrerairbags bei einem Unfall
gezielter als bisher auf den Passagier abstimmen. Das „iBolt“-System misst die Kräfte, die auf die vier
Befestigungspunkte des Sitzgestells wirken. Eine Auswerteelektronik errechnet daraus Gewicht und
Gewichtsverteilung auf dem Beifahrersitz. Aus diesen Daten ermittelt die Insassenschutz-Elektronik
den richtigen Airbag-Einsatz für den Beifahrer.
Insbesondere in den USA sind viele Pkw-Passagiere ohne Sicherheitsgurt unterwegs, die Airbags müssen
deshalb ein großes Volumen haben und sich mit hoher Geschwindigkeit öffnen. Der
Federal Motor Vehicle Safety Standard 208 (kurz FMVSS 208) fordert daher eine an den Beifahrer angepasste
Airbag-Auslösung mittels exakter Gewichtsklassifizierung, wie sie iBolt gewährleistet: Das System kann
zwischen einer Voll-Auslösung bei kräftigen Personen, schwacher Auslösung bei zierlicheren Personen oder
Kindern sowie einer Auslöseunterdrückung bei Kleinkindern, der Verwendung von Kindersitzen oder nicht
belegtem Beifahrersitz unterscheiden.
Die vier Sensoren des iBolt-Systems sind in das Sitzgestell integriert. Dort ersetzen sie ohnehin
vorhandene Befestigungsbolzen, eine Änderung bestehender Sitzkonstruktionen oder eine Anpassung an
verschiedene Fahrzeugsitzvarianten mit unterschiedlichen Sitzbezügen ist meist nicht erforderlich. Auch
die Sitzhöhe und damit die Kopffreiheit für den Passagier wird nicht eingeschränkt. Und da die Sensoren
zudem einen Überlastschutz gegen Beschädigungen bei leichten Kollisionen haben und bei der elektronischen
Anbindung keine besonderen Anforderungen stellen, kann das neue Sicherheitssystem problemlos in das Fahrzeug
integriert werden.
Möglich wurden diese Fortschritte durch die Verschmelzung klassischer Mechanik mit der Elektronik zur
Mechatronik. Der Sensor-Bolzen ist zum einen tragendes Element im Sitz, zum anderen misst er das Gewicht
durch Wegmessung mittels Hallsensoren. Das im Sitz integrierte iBolt-Steuergerät kommuniziert über ein
Bussystem mit der zentralen Airbag-Steuerelektronik, die durch die exakte Vierpunktmessung sogar noch
mehr Informationen als die reine Gewichtsklassifizierung erhält: das iBolt-System bewertet die vier
Messwerte und kann die Sitzposition sowie deren Veränderung erkennen. Mit den zusätzlichen Informationen
lässt sich die Auslösung von Airbags mit zwei- oder mehrstufigen Gasgeneratoren an die Körperhaltung des
Beifahrers anpassen.
Bosch liefert eine umfassende Insassenschutzelektronik zur bedarfsgerechten Steuerung von Airbags,
Gurtstraffern und gegebenenfalls auch Überrollbügeln. Die intelligente Sensorik erkennt beispielsweise
Frontal- und Seitencrashs sowie überrollkritische Situationen und berücksichtigt zudem die Beifahrer-Sitzbelegung.
Eine weitere Verfeinerung der Belegungs-Erkennung ist künftig durch eine noch exaktere Ermittlung der Sitzposition
des Passagiers möglich. Eine Video-basierte Innenraumsensierung erkennt dann beispielsweise auch, ob ein nicht
angeschnallter Passagier durch ein Notbremsmanöver nach vorne fällt und der Airbag beim Aufprall nur noch mit
reduzierter Leistung gezündet werden soll. Ein entsprechendes System wird von Bosch derzeit zur Serienreife
entwickelt.