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Der Europamarkt für X-by-Wire-Technologien
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Neuartige elektronische Fahrzeugsysteme revolutionieren Automobilindustrie
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Das Bild der Automobilindustrie wird sich grundlegend verändern.
Sämtliche Bereiche vom Design über Komponentenbeschaffung, Logistik und Inventurmanagement bis
hin zur Produktion sind betroffen von der Revolution, die durch "X-by-Wire" ausgelöst wird.
Im Europamarkt für X-by-Wire-Technologie selbst ist mit einer wahren Umsatzexplosion zu rechnen:
Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan prognostiziert in einer neuen Analyse Steigerungen von
324 Millionen Euro im Jahr 2000 auf 1,75 Milliarden Euro im Jahr 2010 für die Anwendungsbereiche
Bremssystem, Steuerung und Beschleunigungs- system.
Der Begriff "X-By-Wire" bezeichnet elektronische Fahrzeugsysteme ohne mechanische Verbindung
zwischen Bedienfunktionen (z. B. Pedale, Lenkrad) und dem Motor oder den Antriebselementen.
Dazu zählen unter anderem Funktionen wie elektronische Brems-, Kupplungs- und Steuersysteme
(brake-by-wire, shift-by-wire, steer-by-wire). Einige dieser Technologien werden bereits
eingesetzt, andere befinden sich noch im Entwicklungsstadium. So stellt beispielsweise das
Anti-Blockiersystem (ABS) in Verbindung mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) die
erste Generation der Brake-by-Wire-Systeme dar.
Einheitliche Standards sind gefragt
Damit der vollständige Durchbruch bald gelingen kann, ist die enge Zusammenarbeit der
Autohersteller notwendig. "Elektronik-Zulieferer und letztendlich auch die Endnutzer müssen
wissen, in welche Richtung sich der Markt entwickelt," so Sarwant Sing, European Automotive
Programme Manager bei Frost & Sullivan. "Deshalb ist es an der Zeit, dass sich die
Automobilindustrie auf gemeinsame Standards einigt." Dabei geht es sowohl um das
Kommunikationsprotokoll als auch um die Umrüstung der Bordnetze auf 42 Volt und die Entwicklung
fehlertoleranter Systeme. Bei den Kommunikationsprotokollen konkurrieren derzeit vor allem FlexRay
und Time-Triggered Protocol (TTP). Hinter FlexRay stehen unter anderem BMW und DaimlerChrysler;
Audi und Volkswagen dagegen favorisieren TTP.
Elektrohydraulische Systeme als Übergangslösung
Abgesehen von diesen Ungereimtheiten zeichnet sich ab, dass es für nahezu alle X-by-Wire-Anwendungen
eine Übergangstechnologie in Form elektrohydraulischer Systeme geben wird. Erst später werden die
"echten" By-wire-Systeme dann komplett auf ein hydraulisches Backup verzichten können. So wird zum
Beispiel das erste Steer-by-Wire-System statt mit einem Joystick noch mit einer Steuerkonsole und
hydraulischen Komponenten ausgestattet sein. Pionierarbeit wird hier laut Analyse voraussichtlich
das Unternehmen ZF Lenksysteme leisten, das sein Produkt um 2005 auf den Markt bringen will.
Steer-by-Wire bringt mehr Sicherheit und Lenkkomfort
Steer-by-Wire soll denn auch von allen By-Wire-Systemen den Markt am stärksten beeinflussen.
Erhöhte Sicherheit, mehr Lenkkomfort, geringere Produktionskosten, mehr Flexibilität bei Design
und Entwicklung sind nur einige der Vorteile der neuen Anlagen. Gleichzeitig wird die Technologie
das zentrale Verbindungsglied zum Fahrerassistenzsystem bilden, einschließlich Funktionen wie
elektronische Parkhilfe und Spurkontrolle. Ab 2008 werden dann langsam "echte" Steer-by-Wire-Systeme
auf den Markt kommen. Laut Frost & Sullivan wird die Marktdurchdringung noch bis Ende dieses
Jahrzehnts unter fünf Prozent bleiben, entsprechend einem Umsatz von 234 Millionen Euro im Jahr
2010. Ab 2012 ist allerdings mit einem starken Wachstum zu rechnen; ab dann wird die Penetrationsrate
die der heute üblichen elektrischen Servolenkung (EPS) erreichen oder sogar übertreffen.
Brake-by-Wire
Der europäische Brake-by-Wire-Sektor - umsatzmäßig zurzeit quasi noch am Nullpunkt angesiedelt - wird
2010 bereits ein Volumen von 1,1 Milliarden Euro erreichen. Bis dahin werden elektrohydraulische
Bremsen (EHB) den Markt beherrschen. Die ersten EHB-Anlagen in Europa gibt es seit Sommer diesen
Jahres als Produktmerkmal der neuen S-Klasse von DaimlerChrysler. Ab 2002 sollen auch andere Modelle
mit den EHB-Produkten von Zulieferer Bosch ausgestattet werden. Spätestens 2003 werden dann laut
Frost & Sullivan auch andere Automobilhersteller nachziehen.
X-by-Wire Bremssysteme ab 2005 auf dem Markt
Elektromechanische Bremssysteme (EMB) als nächster Schritt in der technischen Entwicklung werden
um 2005 auf den Markt kommen, voraussichtlich angeführt durch die Firma Brembo. Mit einem rasanten
Zuwachs ist ab 2010 zu rechnen; 2015 wird die Marktdurchdringung zwischen 20 und 25 Prozent liegen.
Dabei ist davon auszugehen, dass Produzenten hoher Stückzahlen wie VW, Fiat und Renault aus
Rentabilitätsgründen ihre Klein- und Mittelklassewagen mit EMB-Systemen ausstatten werden,
wohingegen EHB nur für höherklassige Pkw in Frage kommen wird. Zusätzlich wird EMB im Gegensatz
zu EHB auch davon profitieren, dass gleich komplette Plattformen auf dieses System konvertiert
werden. Wachstumshemmend werden sich dagegen zunächst Verzögerungen bei 42 Volt und andere
technische Probleme auswirken.
Bosch legt Fokus auf EHB
Insgesamt rät die Studie den Akteuren im X-By-Wire-Markt dazu, sich auf ihr spezifisches Produkt zu
konzentrieren, dabei jedoch ein hohes Maß an Flexibilität zu zeigen. Wer die Zeichen der Zeit nicht
erkennt, wird unweigerlich Marktanteile verlieren. In diesem Zusammenhang weist Frost & Sullivan
auf das Risiko hin, das die Firma Bosch mit ihrer derzeitigen Strategie eingeht: Hier ist ein
ausgeprägter Fokus auf EHB zu beobachten, während das Potenzial des Zukunftsmarkts EMB anscheinend
bislang unterschätzt wird. Wenn EMB um 2005 erfolgreich eingeführt wird und sich so entwickelt wie
erwartet, muss Bosch gegebenenfalls mit der Schließung seiner Produktionsstätten für hydraulische
Komponenten konventioneller Bremssysteme rechnen.
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Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan beobachtet
ständig eine Reihe wichtiger Hightech-Branchen und befragt diese auf neue Markttrends,
Kennzahlen und Unternehmensstrategien.
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