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Trends / Entwicklungen

Optimierung des Entwurfsprozesses durch den Einsatz von Simulationen


Autor:
Dipl.-Ing. Andreas Lipski
und Dipl.-Ing. Oliver Eder
Bertrandt Fahrzeugtechnik GmbH
Birkensee 1
D-71139 Ehningen
E-Mail: info@de.bertrandt.com




Abbildung 1: Arbeitsplatz Simulation
bei Bertrandt

Neue Wege zur Dimensionierung von
Systemkomponenten im Kfz-Bordnetz


Einleitung

Time-to-Market, Prozeßoptimierung und Reduzierung der Entwicklungskosten sind heute wesentliche Bedingungen beim Entwurf von Systemkomponenten (Steuergeräte, Generatoren, Batterien und andere Mechatronikbaugruppen) im Automobilbereich. Dieser Artikel soll dazu dienen, neue Wege und Möglichkeiten zur Optimierung des Entwurfsprozesses durch den Einsatz von Simulationen aufzuzeigen. Aus technologischer Sicht werden die Anforderungen an Baugruppen bezüglich steigender Funktionalitäten, Genauigkeit und Zuverlässigkeit beständig erweitert, wobei versucht wird, die Entwicklungszeiten zu reduzieren. Simulation ist ein wichtiges Instrument, dieser Herausforderung zu begegnen.

Bertrandt beteiligt sich sowohl im Vorfeld als auch während einer Komponenten- entwicklung daran, die Kunden mit Simulationen im gesamten Entwicklungsprozeß zu unterstützen bzw. die Entwicklungen zu verifizieren. In der Abteilung Automobilelektronik der Bertrandt Fahrzeugtechnik GmbH in Ehningen wird, wie auch in anderen Niederlassungen der Bertrandt- Gruppe, in verschiedenen Projekten daran gearbeitet, die Kunden - beispielsweise Kraftfahrzeughersteller und -zulieferer - mit Hilfe von Simulationen bei der Auslegung ihrer Bordnetze in der gesamten Entwicklungskette zu unterstützen.


Problemfeld der Simulation

Die meisten Simulationswerkzeuge können nur durch besonders spezialisierte Fachkräfte bedient werden. Ursachen dafür sind oftmals die vielfachen Einstellungsvariationen der Simulationsparameter, die detaillierte Kenntnisse der Software erfordern. Ebenso notwendig sind fundierte physikalische und mathematische Kenntnisse, um die Simulation auswerten, Modelle entwickeln oder bewerten sowie Fehler auffinden zu können. Die Anschaffung von Simulatoren und die Ausbildung der Spezialisten verursachen erhebliche Kosten. Hinzu kommen die Aufwendungen für die Modellierung von Systemkomponenten und die neben den Spezialkenntnissen notwendige Systemkenntnis des Gesamtfahrzeugs. Zur Senkung ihrer Kosten, übertragen die Hersteller Testversuche und Untersuchungen an Simulatoren an externe Entwicklungspartner. Um die Aufträge der Hersteller optimal abzuwickeln, verfügt Bertrandt über eine technisch hochwertige Ausstattung und die entsprechende Spezialisten im Unternehmen. Dadurch ist eine frühzeitige Verifikation der Baugruppen in der gesamten Prozeßkette möglich.

Die Simulation hat sich in vielen Entwicklungsbereichen als wichtiger (integraler) Bestandteil des Entwurfsprozesses etabliert. Bei der Dimensionierung von Karosseriebauteilen wird heutzutage kaum ein Entwickler auf die Ergebnisse der Crash-Test-Simulation verzichten wollen. In anderen Bereichen, wie z.B. dem Entwurf elektronischer Schaltungen und Steuergeräte, können mit Hilfe von Simulationstools sehr komplexe Abläufe und Funktionen frühzeitig überprüft und das Design den Anforderungen entsprechend angepaßt werden. Man hat erreicht, daß diverse Prozesse durch Simulation virtuell im Rechner nachgebildet werden können. Dadurch können frühzeitig Funktionsuntersuchungen durchgeführt werden ohne über einen Prototypen zu verfügen. Neue Designüberlegungen lassen sich sehr einfach und kostengünstig am Rechner auf ihre prinzipielle Realisierbarkeit mit verschiedenen Anforderungsmerkmalen testen, ohne dies in realer Hardware fertigen zu müssen. Simulation wird den Funktionsprototypen zwar nie vollständig ersetzen, kann aber helfen, die Untersuchungen auf einige wenige Tests zu reduzieren.


Ziel: Einsatz von interdisziplinären Simulationswerkzeugen im
Automobilbereich für Analysen komplexer Gesamtsysteme


Das Kfz-Bordnetz stellt ein komplexes Gesamtsystem dar, das verschiedene Disziplinen wie reine Elektronikkomponenten (Steuergeräte) mit elektromechanischen Baugruppen (Bremssystem, ABS, Lichtmaschine usw.) vereint. Bei der Integration von neuen Baugruppen in das bestehende Bordnetz, ist das Zusammenwirken mit anderen Komponenten oft kritisch, wobei sich dies möglicherweise erst sehr spät bei Laborversuchen oder Erprobungsfahrten herausstellt.

Bertrandt verwendet als Simulationswerkzeug für den Schwerpunkt Bordnetze und allgemein elektrische Netzwerke Saber (Avanti Corporation GmbH). Neben vielen anderen Systemen (PSpice, Ipac,..) besteht der wesentliche Vorteil darin, daß sich mit Saber verschiedene Netzwerke verknüpfen lassen. Mit Hilfe von Saber können elektrische aber auch hydraulische und mechanische Systeme miteinander verknüpft und auf ihr Zusammenspiel und das Verhalten untersucht und analysiert werden. Entwurfskriterien und Lastenhefte werden dadurch schon frühzeitig prüf- und verifizierbar.

In einem Beispiel, der Modellerstellung eines DC-Motors mit Schneckengetriebe, sollen die diskutierten Möglichkeiten dargestellt werden. Modelliert ist das Anlaufverhalten und die dynamische Stromaufnahme. Die physikalische Informationen (Konstruktive Parameter, Widerstand, Induktivität, Übersetzungsverhältnis) müssen durch den Systemhersteller zur Verfügung gestellt werden. Diese werden als Parameter in die Modelldarstellung übernommen.

Abbildung 2: Saber-Schaltbild


Das Ausgangssignal (Abbildung 3) zeigt die Stromaufnahme und das Drehverhalten der dem Motor nachgeschalteten Getriebewelle.

Abbildung 3: Ausgangssignal

Zu untersuchen war die Ansteuerung und damit die Frage: Kann das Anlaufverhalten des Motors durch ein PWM-Signal optimiert werden oder ist die Beschaltung mit einer Gleichspannung für das gewünschte Anlaufverhalten ausreichend?

Der beschriebene Lösungsweg zeigt hier die enge Zusammenarbeit eines Engineering- Dienstleisters mit einem Hersteller. In diesen Prozeß müssen auch die Zulieferer der Systemkomponenten mit einbezogen werden.

Für die Darstellung eines Systems sind Modelle der einzelnen Elemente (Komponenten) des Systems erforderlich, die das charakteristische und zu untersuchende Verhalten wiedergeben. Die Modellerstellung kann nur durch den Austausch der physikalischen (und fertigungsbedingten) Parameter erfolgen (Meßwerte). Dies erfordert den Zugriff auf Daten des Systemherstellers durch den Dienstleister (und/oder Hersteller). Da diese Informationen (Parameter) zum größten Teil die Kompetenz und das Kernwissen der Systemlieferanten darstellen, ist der Datenaustausch und die Kooperation nur auf Basis einer übergreifenden und gewollten Partnerschaft aller im Projekt beteiligten Firmen möglich. Das gleiche gilt für die Integration eines erstellten Modells einer Systemkomponente in die "Simulationslandschaft".

Die Modellerstellung einer Bordnetzkomponente erfordert also nicht nur die Hersteller-angaben, sondern auch noch einen hohen Anspruch an Meß- und Versuchstechnik, um die erhaltenen Simulationsdaten des Gesamtsystems stichhaltig mit realen Ergebnissen von Bordnetzmessungen absichern zu können.

Bertrandt verfügt in Ehningen über große Erfahrung im Elektronik- und Versuchsbereich. Damit kann Bertrandt die Prozeßkette von der Simulation bis zur Verifikation komplett in einem Haus abbilden. Die gesamte Modellerstellung und Pflege wird in enger Zusammenarbeit mit der Fachabteilung "Versuch" (Meßtechnik) abgestimmt. Die Modelle werden zur Überprüfung mit den gleichen Testschaltungen, die zur Meßwerterfassung verwendet wurden, geprüft. Erst nachdem das Modell in allen Testdurchläufen das gleiche Verhalten aufweist, wird dieses in die Modellandschaft integriert.

Natürlich werden die aus der Simulation gewonnen Erfahrungen nie die Meßtechnik ersetzen. Sie können jedoch dazu dienen, den Meßtechnikaufwand auf die kritischen Situationen zu reduzieren und natürlich durch paralleles Vorgehen die Entwicklungszeiten zu verkürzen.



Autoren:

Dipl.-Ing. Andreas Lipski ist seit Oktober 2000 Leiter der Abteilung Automobilelektronik bei der Bertrandt Fahrzeugtechnik GmbH in Ehningen. Er hat an der Uni Stuttgart Elektrotechnik mit den Schwerpunkten Nachrichten- und Softwaretechnik studiert.

Dipl.-Ing. Oliver Eder hat an der Fachhochschule Karlsruhe Sensorsystemtechnik studiert und arbeitet seit August 1999 im Bereich Simulation und Elektronikentwicklung in der Bertrandt Fahrzeugtechnik GmbH in Ehningen.