|
Der Europamarkt für Kfz-Diagnose-Handgeräte
|
Unabhängige Gerätehersteller bei
Kfz-Diagnose-Handgeräten deutlich vor OEMs
|
Juni 2003
Elektronische Diagnosegeräte gehören heute zur Standardausrüstung jeder Kfz-Werkstatt. Nach einer neuen
Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan lag der europaweite Umsatz mit entsprechenden Handgeräten
im Jahr 2002 allein im Hardwarebereich bei 257,3 Millionen Euro oder 56.900 Einheiten. Der Hardwareumsatz
soll sich bis 2010 fast verdreifachen. Gleichzeitig soll auch der Softwareumsatz erheblich wachsen, da die
Werkstätten zunehmend von aktueller Software abhängig sind, wenn sie in der Lage sein wollen, die breite
Palette von Fahrzeugmodellen zu reparieren.
Vor allem im Zuge der Einführung neuer Komfort und Sicherheitsmerkmale wächst die Rolle von Fahrzeugelektronik
und eingebetteten Prozessoren. Dieser Trend zwingt die Werkstätten, steigende Investitionen in hoch entwickelte
Diagnosegeräte vorzunehmen.
Dabei erleichtert der Einsatz der Elektronik nicht nur die Fehlersuche, die Diagnose am Fahrzeug geht
vielmehr weit über herkömmliche Inspektionen hinaus. Sie erfordert die Analyse erheblicher Datenmengen,
die durch eine geeignete Schnittstelle gewonnen werden, die mit der Elektronik des Fahrzeugs kommunizieren
kann. Sei der Einführung des EOBD-Systems (European On-Board Diagnostics) im Jahr 2000 können dazu
Off-Board-Diagnosegeräte über den Standardanschluss J1962 mit dem Fahrzeug verbunden werden.
Unabhängige Anbieter sorgen für Wachstum
Umsatzmotor des Gesamtmarktes ist der Sektor unabhängiger Gerätehersteller. Er wächst weiter dank eines
dynamischen Absatzes, einer marginalen Erhöhung der Gerätepreise und wachsender Nachfrage von Seiten freier
und Vertragswerkstätten.
Vergleichsweise bescheiden bleiben dagegen die Wachstumsaussichten im OEM-Sektor, da der Bedarf der
Vertragswerkstätten der Fahrzeughersteller als wichtigster Kundengruppe für OEM-Handgeräte weitgehend
gesättigt ist.
Während der unabhängige Markt für Diagnose-Handgeräte von regionalen Nachfragetrends geprägt werden dürfte,
wird der OEM-Markt vor allem von Veränderungen bei den Kundendienst-Strategien der Fahrzeughersteller bestimmt.
Schwankungen der jährlichen Stückzahlen bei OEM-Geräten sind nach Anil Valsan, Research Analyst bei
Frost & Sullivan, ausschließlich darauf zurückzuführen, dass die Fahrzeughersteller ihr Vertragswerkstättennetz
ausbauen oder zurückfahren oder ihre Werkstattdiagnostik-Strategien ändern.
Verglichen mit dem OEM-Sektor, bieten die unabhängigen Gerätehersteller dem Markt ein attraktiveres, weil
breiteres Spektrum von Optionen hinsichtlich Funktionalität und Abdeckung der verschiedenen Marken und
Modelljahre. Dabei ist nach Valsan zu erwarten, "dass sich die Produktpalette von Geräten mit geringer
Funktionalität hin zu Geräten verschiebt, die über eine breite Palette von Diagnose- und Testfunktionen
verfügen, wie Vielfachmesser, Oszillographen und Motordrehzahl-Messmodule." Der einzige Nachteil dieser
Produkte ist das Fehlen einer kontinuierlichen Abdeckung der Fahrzeugmarken und -modelle.
Daher dürften die OEM-Produkte ihre Überlegenheit hinsichtlich Funktionalität und Modelljahrabdeckung für
bestimmte Marken behaupten. Die vorherrschende hohe Standard wird den OEM-Sektor in die Lage versetzen,
die Nachfrage von Seiten der Vertragswerkstätten der Fahrzeughersteller zu halten. Frost & Sullivan geht
außerdem davon aus, dass die kürzere Markteinführungszeit und die fortgeschrittenen Diagnosefähigkeiten
von OEM-Diagnosegeräten ein starker Anreiz für die größeren freien Werkstätten sein werden, die danach
streben, ihre Kompetenz auf dem europäischen Autoreparaturmarkt zu erweitern.
Preisgünstigere Optionen, die unter dem Motto "ein Gerät pro Mitarbeiter" statt "ein Gerät pro Werkstatt"
vermarktet werden, dürften einen marginalen Rückgang der Kosten von OEM-Diagnose-Handgeräten verursachen.
Software bietet Wachstumspotenzial
Um von der wachsenden Nachfrage nach Software-Upgrades für OEM-Handgeräte zu profitieren und in den
Genuss kontinuierlicher Software-Einnahmen zu kommen, empfiehlt Frost & Sullivan den Geräteherstellern,
ihr Geschäftsmodell in geeigneter Weise zu modifizieren.
Nach Frost & Sullivan gibt die Einführung softwarebasierter Produkte auch den Fahrzeugherstellern die
Möglichkeit, auf dem unabhängigen Markt für Diagnosegeräte Fuß zu fassen. Ein solcher Schritt würde es
den Fahrzeugherstellern nicht nur ermöglichen, die Qualität der Diagnostik und der Reparaturen in freien
Werkstätten, sondern auch den Kundendienst für ihre Kunden zu verbessern.
OEM Marktführer Actia - Bosch führt bei den unabhängigen Anbietern
Marktführer auf dem europäischen OEM-Markt für Diagnose-Handgeräte ist die Firma Actia, dahinter folgen
Siemens, Teradyne, Vetronix und Sagem. Der unabhängige Markt setzt sich aus einer größeren Zahl von
Anbietern zusammen, unter denen Bosch die Führungsposition inne hat. Weitere Unternehmen auf dem unabhängigen
Markt sind die Facom-Gruppe, Texa, Snap-on und SPX-Tecnotest. Beide Märkte sind von intensivem Wettbewerb
geprägt, wobei vor allem der unabhängige Markt auf eine tief greifende Konsolidierung zusteuert.
|
Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan beobachtet
ständig eine Reihe wichtiger Hightech-Branchen und befragt diese auf neue Markttrends,
Kennzahlen und Unternehmensstrategien.
|
|