Multiplex-Systeme von Bosch im Nutzfahrzeug -
höhere Zuverlässigkeit dank reduzierter Verkabelung
Oktober 2003
Im Nutzfahrzeug verbessern immer mehr elektrische Systeme Sicherheit und Komfort. Mit deren Zahl nimmt jedoch
auch die Komplexität der dafür notwendigen Verkabelung zu. Bosch hat daher mit Hilfe der Multiplex-Technik
eine Bordnetzstruktur entwickelt, die die Karosserieelektrik von Nutzfahrzeugen deutlich vereinfacht. Sie ist
dadurch zuverlässiger und flexibler; und sowohl Anpassungen als auch Erweiterungen lassen sich schneller
durchführen. Die Multiplex-Technik von Bosch ging erstmals Anfang 2002 im Iveco Stralis in Serie, dem eine
internationale Jury die Auszeichnung "Truck of the Year 2003" verlieh.
Über Schalter und Hebel steuert der Fahrer eine Vielzahl von Systemen der Karosserie- und Komfortelektrik,
so beispielsweise die Sitzverstellung, Lichtfunktionen oder die Klimaregelung. Bislang wurde jedes System
für sich verkabelt und bei Bedarf mit entsprechenden Relais und Sicherungen versehen. Schwere Nutzfahrzeuge
wie der Iveco Stralis kommen so mittlerweile auf über 1000 einzelne Leitungen mit einer Kabellänge von
insgesamt rund 2000 Metern und aufwändigen Kabelbäumen. Das Multiplex-Konzept vereinfacht diese Struktur
erheblich. In den über einen zusätzlichen CAN-Bus vernetzten Steuergeräten werden Sensorinformationen und
Befehle des Fahrers gesammelt und ausgewertet und stehen als elektronische Signale innerhalb des gesamten
Verbunds zur Verfügung. Die jeweiligen Steuergeräte vor Ort führen die Aktionen anschließend auf direktem
Weg aus. Die Entwickler des Iveco Stralis konnten so die Verkabelung reduzieren und die Anzahl der Relais
und Sicherungen nahezu halbieren. Auch die Anzahl der Leitungen und damit die Zahl der Steckverbindungen
zwischen Fahrerhaus und Fahrgestell ist nur noch halb so groß. Die Zuverlässigkeit steigt dadurch weiter.
Der Body Computer ermöglicht zusätzlich über eine Gateway-Funktion den Datenaustausch der Karosserieelektrik
mit den Bussystemen von Antriebsstrang, Kombiinstrument und Infotainment. Aufgrund des modularen Aufbaus
können die Entwickler das Multiplex-System auch flexibel erweitern und schnell auf Änderungswünsche des
Fahrzeugherstellers eingehen. Ein großer Teil der Eingangssignale ist zudem diagnosefähig; dann kann das
System bei Defekten eine Notlauffunktion aktivieren und eine Meldung an den Fahrer ausgeben. Durch den
Verbund der einzelnen Systeme lassen sich im Body Computer künftig weitere, software-basierte Funktionen
integrieren: so zum Beispiel ein dynamisches Serviceintervall oder ein zentraler Diagnosespeicher. Letzterer
vereinfacht die Fehlersuche in der Werkstatt erheblich.