BMW AG Vorstand Prof. Göschel:
"Frequenzgerangel kostet Sicherheit im Straßenverkehr."
Februar 2004
Die Tür zu einer neuen Ära von Fahrerassistenzsystemen und damit zu einem bisher nicht gekannten
Niveau der Verkehrssicherheit steht weit offen: Neu entwickelte 24 GHz-Radarsensoren tragen dazu bei,
das Fahrzeugumfeld zukünftig genauer zu überwachen. Der Vorteil: Assistenzsysteme können Hindernisse
und mögliche Gefahren frühzeitig erkennen und Unfallfolgen durch rechtzeitig aktivierte Sicherheitsmaßnahmen
abmildern - oder im Idealfall Unfälle ganz vermeiden. Die dazu notwendige Radartechnik steht kurz vor der
Serienreife.
Das Problem: Während in den USA die Frequenz für solche Sensoren der Autoindustrie bereits zugewiesen
wurde, gibt es in einigen europäischen Ländern trotz erfolgreicher Testreihen noch Streitigkeiten bei
der Vergabe einer einheitlichen Frequenz. "Frequenz- gerangel kostet Sicherheit im Straßenverkehr.
Funkfrequenzen sind eine natürliche Ressource, deren gemeinschaftliche effiziente Nutzung gewährleistet
sein muss. Dies gilt um so mehr, wenn eine lebensrettende Technologie auf dem Spiel steht", sagte
Prof. Burkhard Göschel, BMW AG Vorstand für Entwicklung und Einkauf, anlässlich der heutigen
Pressekonferenz des Industriekonsortiums "Short range Automotive
Radar frequency Allocation (SARA)"
in Berlin. Die SARA-Initiative von zahlreichen Automobil-herstellern und Zulieferern zielt auf eine
rasche weltweit gültige Regulierung für 24GHz-Breitband-Autoradarsensoren.
Ich sehe was, was Du nicht siehst: Sensoren als Lebensretter
Die Radarsensortechnologie im 24 GHz-Bereich kann sich als Lebensretter in vielen Fahrsituationen
erweisen. Die Fähigkeit des Menschen, hochkomplexe Situationen durch assoziatives Denken und Handeln
zu meistern, wird durch diese Sensortechnologie ideal ergänzt. Diese überwacht permanent und zuverlässig
das Fahrzeugumfeld in allen Richtungen und zeigt eine potenzielle Gefahr sofort an. Solche Radarsensoren
sind die Grundlage für Spurwechselassistenten, die tote Winkel überwachen. Autofahrer können damit
zukünftig gewarnt werden, wenn bei einem Spurwechsel oder beim Abbiegen Gefahr droht. Gerade beim
Abbiegen werden dann Fahrradfahrer oder Fußgänger nicht mehr so leicht übersehen. In Entwicklung
befinden sich zudem Systeme, die mit dieser Technik vor Auffahrunfällen warnen oder zum Beispiel eine
komfortable Stop & Go-Funktion im zähfließenden Verkehr ermöglichen.
Mehr Sicherheit durch Kooperation
Die automobilen Radarsensoren arbeiten mit sehr geringen Sendeleistungen, die 1000 bis 5000 mal
geringer ist als bei einem Mobiltelefon. Sie teilen das Frequenzband nachgewiesener Weise problemlos
mit anderen Anwendern.
Die Frequenzregulierungsbehörde der USA hat das Sicherheitspotenzial dieser
Technologie bereits 2002 erkannt und die notwendige Frequenz für Radarsensoren der Automobilindustrie
zugeteilt. Auch Vertreter der EU-Kommission in Brüssel sowie der Deutschen Bundesregierung teilen diese
Sichtweise für eine möglichst schnelle Frequenzregulierung in Europa. Das Problem: Einige europäischen
Länder konzentrieren sich trotz erfolgreich verlaufener Testreihen noch auf minimale Unverträglichkeitsrisiken
mit anderen Anwendern, auch wenn diese hundertmal kleiner sind, als die Chance, auf Anhieb einen Sechser
im Lotto zu gewinnen. Dies bedeutet eine Verzögerung für die Einführung der wichtigen Kurzbereich-Radarsensoren.