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Der Europamarkt für Mechatronik in PKW
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Mechatronik - die Zukunft der Automobilindustrie
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Februar 2004
Das wachsende Interesse an "intelligenten" Sicherheitsfunktionen und höherem Fahrzeugkomfort hat einen
Boom der Mechatronik ausgelöst. Diese relativ neue Disziplin verbindet Mechanik, Elektronik und
Computertechnik und wird der Automobilindustrie ein völlig neues Gesicht geben. Nach einer neuen
Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan soll der Umsatz auf dem Europamarkt für Mechatronik
von derzeit 5,2 Milliarden Euro auf knapp 6,8 Milliarden Euro im Jahr 2010 ansteigen.
Die Hersteller mechatronischer Systeme und Komponenten dürften dabei von der Bereitschaft der
Endnutzer profitieren, auf modernere Systeme aufzurüsten. Hier eröffnet sich ein gewaltiges
Marktpotenzial für neue Produkte, und risikobereite Fahrzeug-hersteller, die die Innovation zur
Differenzierung nutzen, werden voraussichtlich langfristig zu den Gewinnern zählen.
Sicherheit als Imagefaktor
Sicherheitsratings sind heute ein unverzichtbarer Qualitätsparameter und für das Image einer
Marke entscheidend. Infolgedessen wird ein nicht unwesentlicher Teil des Budgets der Fahrzeughersteller
auf die Integration mechatronischer Komponenten in die Sicherheitsfunktionen verwendet. Die Nachfrage
nach intelligenten Sicherheitsfunktionen, die mit Sensoren arbeiten, hat in Europa deutlich zugenommen.
Funktionen wie ABS, die zunächst auf die oberen Marktsegmente beschränkt waren, gehören heute in den
meisten PKW-Segmenten schon zur Standardausrüstung.
Technik sorgt für Komfort
Ähnlich wie die Sicherheitsfunktionen werden auch die Komfortfunktionen immer wichtiger für die
europäischen Kunden. Die Mechatronik gibt dabei eine technische Antwort auf die beiden
Hauptanforderungen des Komfortmarktes: Entlastung des Fahrers von zusätzlichen Handgriffen
und Erhöhung des Personalisierungsgrades. So verfügen beispielsweise Features wie
elektrische Sitzverstellung (ESV), elektronisch verstellbarer Außenspiegel und Klimaautomatik
über Memory-Funktionen und eine automatische Betätigung.
Wenn allerdings der Markt für Komfortfunktionen expandieren soll, dann müssen zunächst die
Kosten gesenkt werden. Denn gegenwärtig sehen sich die meisten Fahrzeug-hersteller nicht in der
Lage, die hohen Kosten der Komfortfunktionen weiterzugeben und lassen sich folglich bei der
Entscheidung zwischen herkömmlicher und einer mechatronischer Lösung häufig von den Kosten leiten.
Multifunktionale, flexible Systeme zu günstigen Preisen gesucht
"Damit die Mechatronik zur Lösung der Wahl wird, müssen die Anbieter Systeme entwickeln, die von
den Kosten her wettbewerbsfähig sind. Dazu müssen sie ihrerseits Druck auf ihre Zulieferer ausüben,
die Kosten der Komponenten zu senken, und sie müssen multifunktionale und flexible
mechatronische Systeme entwickeln", sagt Soikot Sengupta, Research Analyst bei Frost & Sullivan.
Die Entwicklung systemübergreifender branchenweiter Standards könnte ebenfalls zur Kostensenkung
beitragen, weil sie die gemeinsame Nutzung von Komponenten ermöglicht.
Bei einer positiven Entwicklung in Bereichen, in denen die Marktdurchdringung des Systems schon
hoch ist oder schnell wächst, sinken die Preise mechatronischer Komponenten. Das hat sich besonders
bei Sicherheitsfunktionen wie ABS gezeigt, wo der Markt die Sättigungsphase erreicht hat.
"Langfristig - und zwar in dem Maße, wie einzelne Funktionen zum Standard in bestimmten, meist
hochwertigen, Segmenten werden - dürften die Kosten der Komponenten sinken und so den Vormarsch
dieser mechatronischen Systeme in den unteren Segmenten erleichtern", erläutert Sengupta.
Größtes Umsatzwachstum bei Funktionen im Außenbereich
Am stärksten wachsen soll das Segment der Außenbereichsfunktionen. Laut Prognose wird es im
Zeitraum von 2003 bis 2010 von acht auf 20 Prozent Umsatzanteil am Gesamtmarkt zulegen. Diese
Expansion stützt sich vor allem auf die schnelle Verbreitung von Scheinwerfer-Automatikschaltungen
und schlüsselloser Zentralverriegelung.
Gleichzeitig sollen die Umsätze, die mit Innenbereichsfunktionen erwirtschaftet werden, relativ
stabil bei 10 Prozent bleiben. Diese unterschiedliche Entwicklung rührt daher, dass Außenbereichsfunktionen
wie Scheinwerferautomatik und schlüssellose Zentralverriegelung eher praktischer Natur sind, während
Innenbereichsfunktionen stärker in die Richtung von Komfort und Luxus tendieren.
Fahrwerksfunktionen sollen durch das große Potenzial elektronischer Steuerungen gegen Ende des
Jahrzehnts ein kräftiges Comeback erleben.
Stärkere Einbindung der Zulieferer wahrscheinlich
Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte der Vormarsch der Mechatronik Bewegung in die bestehende
Wertschöpfungskette der Branche bringen. "Die natürlich gewachsene Hierarchie, die seit langer
Zeit in der Branche herrscht und jedem Glied der Kette seine Rolle vorschreibt, wird sich neu ordnen",
gibt Sengupta zu bedenken. "Dabei werden die anfänglichen Reibungsverluste mit der Zeit abnehmen. Nur
eine enge Zusammenarbeit und die gemeinsame Nutzung von Know-how werden die Türen für moderne Technologien
öffnen und Wettbewerbsvorteile ermöglichen."
In der Tat kann die gegenwärtige Situation, wenn sie geschickt gehandhabt wird, für alle Beteiligten
Vorteile bringen. In der Vergangenheit war ein enger Kontakt zum Fahrzeughersteller das Privileg seiner
direkten Zulieferer. Dagegen entwickeln in letzter Zeit Unterlieferanten intensive Arbeitsbeziehungen
nicht nur zu ihren unmittelbaren Abnehmern, den Zulieferern der Fahrzeughersteller, sondern auch zu den
Herstellern selbst. Für die unmittelbaren Zulieferer wiederum ermöglicht die Integration der Mechatronik
eine stärkere Beteiligung an den Produktstrategien der Fahrzeughersteller: So können sie komplette Pakete
mit allen Komponenten anbieten, die in die Systeme integriert werden.
Abschließend stellt die Analyse fest, dass die Mechatronik in gewissem Maße auch zur Branchenkonsolidierung
beigetragen hat. Beispielsweise hat eine Reihe von direkten Zulieferern, die mechanische Komponenten herstellen,
Elektronikunternehmen übernommen oder mit ihnen fusioniert und so ihre Kompetenz im elektronischen Bereich erweitert.
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Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan beobachtet
ständig eine Reihe wichtiger Hightech-Branchen und befragt diese auf neue Markttrends,
Kennzahlen und Unternehmensstrategien.
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