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Trends / Entwicklungen

EMV-Prüfungen in der Kraftfahrzeug-Elektronik

Autor:
Dipl. Ing. Frank Niechcial
EM TEST GmbH
Lünener Str. 211
D-59174 Kamen
E-Mail: info@emtest.de


Leitungsgeführte impulsförmige Störgrößen auf 12V und 24V Bordnetzen

Vorwort
Obwohl viele Normen weltweit harmonisiert werden, nimmt die Spezialisierung der Testverfahren und der Testspezifikationen weiter zu. Da immer neue elektronische Komponenten in Kraftfahrzeugen eingesetzt werden sollen, müssen sie hinsichtlich der Sicherstellung der elektromagnetischen Verträglichkeit eine bestimmte Störfestigkeit gegenüber Transienten besitzen. Daher achten Fahrzeughersteller sehr genau bereits im Entwicklungsprozeß auf eine ebensolche Einhaltung der Störfestigkeit. Die Fahrzeughersteller- spezifischen Forderungen gehen dann oft über die gültigen Normen hinaus, und werden heute durch neue, fahrzeugspezifische Impulse ergänzt. Dieses dokumentiert sich in den verschiedensten Herstellerspezifikationen.

Einleitung
Dabei wird mit der schon jetzt vorhandenen Normenflut sicher nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Denn dagegen spricht, daß sich in dem boomenden Markt der Automobilindustrie die Entwicklungsintervalle der Pkws, und damit auch der Peripherie wie Motronic, ABS- oder Klimasteuerungssysteme oder auch Autoradios, weiterhin deutlich verkürzen werden. Mann sollte sich einmal vor Augen halten, daß komplette Pkws bis vor einigen Jahren nur alle 8-10 Jahre neu aufgelegt wurden, dagegen heute manche Hersteller alle 1,5-2 Jahre ihre Modelle erneuern.

Dazu kommt, daß die Pkws heute auch schon in der kleinsten Klasse über einen Komfort verfügen, der noch vor wenigen Jahren nur Fahrzeugen der Oberklasse vorbehalten war. Auch die aktuellen Neuheiten wie Navigationssystem, Xenon-Beleuchtung oder 8-fach Airbags werden über kurz oder lang in den kleineren Klassen zu finden sein.

Gleichzeitig wird bereits jetzt an dem 42 V-Bordnetz gearbeitet, welches gerade für den leistungshungrigen klimatechnischen Bereich der Beheizung und Klimatisierung benötigt wird. Da man mit den heutigen, über Riemen angetriebenen, Lichtmaschinen am Ende der Leistungsausbeute steht, wird es in Zukunft eine Art von Kurbelwellengeneratoren geben, welche direkt auf der Kurbelwelle angeflanscht werden.

Nun müssen sich die Fahrzeughersteller noch entscheiden, welchen primären Zweck die Erhöhung der Spannung haben soll, denn wenn man den benötigten Leistungsbedarf in etwa auf heutigen Niveau lassen würde, könnten durch Verringerung der Bordnetz-Ströme einige transiente Impulse zumindest entschärft werden. Es bedarf jedoch nicht viel Phantasie um zu der Überzeugung zu gelangen, daß es nicht allzu lange dauern wird, bis auch der neue Leistungsbereich voll ausgenutzt wird.

Hauptteil
Warum unterscheiden sich nun die verschiedenen Hersteller-Vorschriften teilweise so deutlich? Dies hängt in erster Linie von den individuellen Eigenschaften einiger Kraftfahrzeuge ab. Nehmen wir einmal an, ein KFZ-Hersteller erkennt eine Störung in einem bestimmten Frequenzbereich seines Radios, und als Ursache dafür findet er den Lüftermotor am Kühler.

Zur Entstörung setzt er sodann einen Kondensator über den Motor und siehe da: Problem gelöst. Jedoch hat er durch den parallelen Kondensator zur Induktivität des Motors im Bordnetz einen Impulsgenerator gebaut. Anstatt jetzt jedoch eine aufwendige, und damit auch teurere, Entstörung zu bauen, schreibt er lieber allen Zulieferern in seiner Hersteller-Norm die Störfestigkeit gegen dadurch eventuell resultierende Impulse vor.

Will man nun mit seinen Produkten möglichst alle bereits vorliegenden Herstellernormen abdecken, und gleichzeitig auch für die kommenden Vorschriften gerüstet sein, braucht man ein Prüfssystem, welches genau auf diese Gegebenheit ausgelegt ist. Das heißt, er benötigt ein absolut zukunftssicheres, innovatives System, welches flexibel genug sein muß, um auch zukünftige Anforderungen abzudecken. Doch bemühen wir nun zuerst einmal die Physik, um zu erkennen, welche Art von transienten Impulsen überhaupt in einem Automobil entstehen können.

Die charakteristischen Impulse
Transiente Impulse entstehen durch Schalten von Lasten oder Induktivitäten im Bordnetz. Je nachdem, wie nun das Testobjekt im Bordnetz verschaltet ist, kann es durch verschiedene Impulse beeinträchtigt werden. Im einfachsten Fall unterscheidet man 5 verschiedene Arten von Impulsen (E1 bis E5), welche sich durch ihre Entstehung bedingt vor allem in der Amplitude und der Länge unterscheiden.

Der in der DIN 40839 zitierte Impuls E1 entsteht durch die Abschaltung der Batterie einer sich parallel zum EUT befindlichen Induktivität wie z.B. der Sitz- oder Scheibenheizung. Diese Induktivität entlädt sich dann durch das EUT, daher ist der Impuls 1 auch negativ. Die Impulsdauer liegt im Microsekundenbereich.




Der Impuls E2 entsteht durch das Abschalten einer Steuerelektronik, während ein Motor dreht, z.B. beim Scheibenwischermotor oder beim Fensterheber. Solange der Motor durch seine Schwungmasse noch dreht, wird er dabei zum Generator. Auch dieser Impuls liegt im Microsekundenbereich, ist jedoch gegenüber dem Impuls 1 deutlich kürzer.




Der wohl bekannteste Impuls ist der Impuls E3 (3a negativ, 3b positiv). Er entsteht durch die Abschaltung kleiner Induktivitäten und Kapazitäten, die im Kabelbaum verteilt sind. Die Entstehung erfolgt dann durch das Prellen des Schaltkontaktes. Hierbei handelt es sich um einen unipolaren Impuls, der zwar positiv oder negativ sein kann, nicht jedoch alternierend.



Die dazugehörigen Prüfimpulse 3a und 3b sind sehr schnelle transiente Impulse in Nanosekundenbereich mit der im Vergleich zu den anderen Impulsen geringsten Energie.

Der Impuls E4 entsteht durch den Startvorgang des Autos, da durch den hohen Energiebedarf des Startermotors das Bordnetz in die Knie geht. Durch die örtlichen Umstände bedingt kann auch dieser Impuls mit den verschiedensten Parametern auftreten, man denke nur an die Umgebungstemperatur oder die Viskosität des Motoröls.


Mit in diesen Bereich fällt der Impuls 2b, der Motor-Shut-Down-Impuls, der durch eine Bordnetzabschaltung erzeugt wird, während sich die Lichtmaschine weiter dreht. Sie erzeugt dann nochmals eine Spannung, wobei dies keine Überspannung sondern nur eine kurzfristige Bordnetzspannung ist.

Wird die Batterie abgeschaltet, oder die Verbindung dorthin unterbrochen, während die Lichtmaschine Energie liefert, entsteht der Impuls E5. Da dann die niederimpedante Batterie fehlt, entstehen Überspannungen, welche direkt an der Elektronik liegen. Ein solcher Verbindungsunterbruch entsteht z.B. durch Abfallen der Batterieverbindung durch Korrosion. Es handelt sich hierbei um einen energiereichen Impuls im Millisekundenbereich.



Aus dieser Überlegung heraus erklärt sich nun die Aufstellung eines geeigneten Generator-Konzeptes:

  • Hochfrequente Impulse mit niedriger Energie Impulse 3a und 3b à EFT 200
  • Mittelfrequenzhaltige Impulse mittlerer Energie Impulse 1, 2 und 6 à MPG 200
  • Niederfrequente Impulse hoher Energie Impulse 5 und 7 à LD 200
  • Spannungseinbrüche, Bordnetzvariation Impulse 2b, 4 oder JASO à VDS 200

Was müssen diese modernen Gereratoren leisten ?

Spektrum der Anforderungen

Wie schon anfangs erwähnt stehen die Hersteller wie auch die Zulieferer der Kfz-Industrie vor einer auf den ersten Blick unüberwindbaren Flut von Normen und Vorschriften. Einerseits wird allen Prüfungen die ISO 7637, bzw. auf nationaler Ebene die DIN 40839 zugrundegelegt, andererseits gibt es, was die Vielfalt von leitungsgebundenen Störgrößen im Bordnetz betrifft, kein anderes Gebiet in der EMV, das so vielfältig ist, wie das des Kfz-Bereiches.
Hinzu kommen Bereiche aus dem europäischen sowie weltweiten Ausland, die sich teilweise komplett von den gültigen Normen lösen. Ein Beispiel dafür ist JASO. Hier müssen nicht die eigentlichen Impulse, sondern das sinusförmige Frequenzspektrum, welches aufgrund der Impulsform entsteht, abgeprüft werden. Denn jeder Impuls mit einer Verlaufsform die auf einer e-Funktion beruht, kann in einzelne Sinusschwingungen zerlegt werden.

Dies alles trifft hauptsächlich die Zulieferer in dieser Branche, die ganz besonders vor diesen komplexen Prüfanforderungen stehen. Hinzu kommen weitere Erschwernisse, wie z.B. Prüflingsströme bis 100 A oder größer, zukünftige Bordnetze mit 42V, usw., um nur einige zu nennen.

Da die EMV Prüfungen heute wie auch zukünftig immer mehr in den Bereich Langzeitprüfungen und somit in die Qualitätssicherung übergreifen, sind schon heute Prüfungen bis 48 h für einen einzigen Prüfimpuls keine Seltenheit. Bei diesen Prüfungen handelt es sich gleichzeitig auch um Funktionsprüfungen die das Langzeitverhalten mit kontrollieren sollen. Denn immer mehr Hersteller werden in Zukunft die Inspektionsintervalle auf 30.000 km oder alle 2 Jahre hochsetzten wollen.

Um nun nicht den gesamten Meßmittelpark zu blockieren, erfordert es eine einzigartige Prüftechnik, die es erlaubt, parallel zu testen.

Abb. 1:
Prüfgenerator für Mikrosekundenimpulse Typ MPG 200


Um all diesen Spezifikationen gerecht zu werden, wurde die 200er Serie der Firma EMTEST entwickelt. Dabei standen die Begriffe Rationalisierung und Wirtschaftlichkeit bei der Durchführung der Prüfungen an vorderster Stelle des Plichtenhefts bei der Entwicklung der Generatoren.

Normen namhafter Hersteller, wie z.B. BMW, Chrysler, Fiat, Ford, GM, Mercedes, Nissan, Renault, Opel, VW, usw. werden zudem nicht nur abgedeckt, sondern bei weitem übertroffen.


Herausragende Merkmale dieser Geräte:

· Autarke Funktionsweise jedes einzelnen Generators
· Alle Parameter bei laufender Prüfung am Gerät variierbar
· Einfachste Bedienung der Geräte aufgrund eines großen Displays und einer optimalen ergonomischen Bedienung über eine eigene Gerätetastatur
· Normenprogramme
· Freie Einstellung der Parameter, um auch zukünftigen Normen gerecht zu werden
· Parallele Nutzung der Geräte; alternativ die Einbindung in ein Messystem mit zentralem Prüflingsanschluß
· Standardmäßige RS232 sowie IEEE Schnittstelle, und somit die Möglichkeit der Nutzung über Software

Durch die immer noch einzigartige Koppelmatrix CNA200 haben Sie zudem die Möglichkeit, Ihre Prüflinge ohne umzustecken an einem zentralen Anschluß zu adaptieren.

Fazit
Eine immer komplexer werdende Störumgebung fordert immer umfangreichere Prüfungen. Die Einführung des neuen 42 V-Bordnetzes wird zusätzliche Anforderungen schaffen.

Um trotzdem extrem kosten- wie auch zeitoptimiert prüfen zu können gibt es das innovative Geräteprogramm der 200er Serie der Firma EMTEST, welches Funktionalität, Variabilität, Integrierbarkeit sowie Zukunfssicherheit in jedem Gerät vereint.

Das herausragende Bedienkonzept führt der Bediener weg von der Problematik des Lesens von Anleitungen vor jeder Prüfung hin zur Problematik des Prüflings. Und dies, dank des äußerst einfach zu bedienenden, universellen Systems, mit dem jede erdenkliche Prüfanordnung bis hin zu Prüfung am Einsatzort, auch ohne Verwendung eines Steuer-PC’s, realisiert werden kann.